Kaffeehaus-Kultur

Die Farbpalette
Großer Brauner, Melange, Verlängerter - diese Begriffe gab es früher nicht. Statt dessen reichte einem der Kellner eine Farbpalette. Von Schwarz bis milchig-weiß waren verschiedenste Farbschattierungen des Kaffees angebracht. Nicht nach Namen bestellte man seinen Kaffee, sondern nach Farbe. Je schwärzer desto stärker, je heller desto milder. Kaum zu glauben, aber die Farbpalette war so nuancenreich, dass es damals viel mehr Kaffeevariationen gab, als heutzutage.

Der Piccolo
Selbstverständlich konnte man in einem Kaffeehaus nicht so einfach als Oberkellner beginnen. Die strenge Hierarchie sah vor, dass man als Piccolo beginnen musste. Deren Aufgabe war es, die Tische aufzustellen und zuzusehen, dass das Glas Wasser des Gastes nie leer war. Er war der Liebling der Damenwelt. Gerne wurde er mit heiklen Aufgaben betraut, wie etwa, amouröse Briefchen zuzustellen.

Die Sitzkassierin
Bis etwa 1840 war die Sitzkassierin die einzige Frau neben dem im Verborgenen agierenden Küchenpersonal, die im Kaffeehaus erlaubt war. Denn schon die frühen Kaffeehausbesitzer wussten um die Wirkung subtiler Erotik. Die Sitzkassierin war in ihrem Kasten eingezwängt. Sie überwachte die Verteilung des Zuckers und nahm die Abrechnung vor. Die Sitzkassierin war stets freundlich, zurückhaltend und ruhig.

Konzerte
Als Martin Diegand 1788 das erste Konzertcafe eröffnete, legte er den Grundstein für einen durch-schlagenden Erfolg. Die Wiener liebten die Konzerte im Kaffeehaus. Obwohl sie mancherorts schon für 6 Uhr früh angesetzt waren, war oft kein Platz mehr zu bekommen. Wolfgang Amadeus Mozart begab sich gerne ins Kaffeehaus, um die Wirkung seiner Musik vor Ort vorgeführt zu bekommen. Und wer damals Glück hatte, erlebte Ludwig Van Beethoven persönlich. Obwohl bereits halbtaub ließ er es sich nicht nehmen, persönlich zu musizieren. Eines der ersten "Pop-Phänomene" der Wiener Kaffeehäuser waren jedenfalls die Konzerte des Streichquartetts rund um Josef Lanner und Johann Strauss Senior. Ihre Tourneen führten sie durch ganz Europa, wo sie wie Popstars bejubelt wurden. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts erlebten die Konzertcafes eine Renaissance. Der aus Amerika importierte Jazz bot eine Möglichkeit, dem traurigen Alltag zu entfliehen und das Tanzbein zu schwingen. Auch heute lebt das Konzertcafe wie eh und je.

Literatur im Café
Die enge Verbindung vom Kaffeehaus zur Literatur hat Tradition. Literatur im Café Die enge Verbindung vom Kaffeehaus zur Literatur hat Tradition. Die Literatengruppe Jung-Wien gilt als erste Kaffeehaus-literatengruppe. Immer wieder haben sich Dichter und Schriftsteller im Café getroffen. Aus vielerlei Gründen fanden sich die Literaten im Kaffeehaus ein. Die Arbeit im Kaffeehaus ermöglichte ein Werken an den eigenen Texten, ohne sich einsam und allein zu fühlen. Alles, was man brauchte, war ein Notizblock und ein Schreibtisch. Verließ einen die Muse, konnte man mit Kollegen debattieren, Billard oder Karten spielen. Außerdem konnte man sich im Kaffeehaus anrufen lassen. Ein eigenes Telefon waren für die chronisch geldknappen Künstler ein unleistbarer Luxus. Außerdem bestand die Chance, dass man von dem einen oder anderen wohlgesonnenen Mäzen auf seine Zeche eingeladen wurde. Aber auch der Vortrag von eigenen Werken hat Tradition. Auch heute noch finden in vielen Wiener Kaffeehäusern Lesungen von bekannten Autoren statt.

Internetzugänge
Zeitungen sind nicht mehr das einzige Medium, um Informationen zu erhalten. Viele Informationen laufen heute über das World-Wide-Web. So ist es kein Wunder, dass gewissermaßen als Fortsetzung des Zeitungstisches heute das Internet in das Kaffeehaus Einzug hält. Ebenso ist das Internet-Café ein beliebter Ort für Touristen, um digitale Lebenszeichen an Freunde und Bekannte zu versenden. Das erste Wiener Kaffeehaus mit Internet-Zugang war das Café Stein, aber mittlerweile finden sich Hi-Speed-Internetzugänge selbst in alteingesessenen Wiener Kaffeehäusern wie dem Café Weimar, dem Café Sperl und vielen anderen wieder.

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